Playerunknown’s Battlegrounds wird Videospiele verändern

Das Indie-Game Playerunknown’s Battlegrounds ist das wichtigste Spiel des Jahres. Sein Rekorderfolg wird verändern, wie Videospiele sich weiterentwickeln. Und das, obwohl es eigentlich noch gar nicht veröffentlicht wurde.

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Das Indie-Game Playerunknown’s Battlegrounds ist das wichtigste Spiel des Jahres. Sein Rekorderfolg wird verändern, wie Videospiele sich weiterentwickeln. Und das, obwohl es eigentlich noch gar nicht veröffentlicht wurde.

Playerunknown’s Battlegrounds ist fertig! Nach neun Monaten im Early-Access erscheint der Multiplayer-Shooter jetzt am 20. Dezember. Eine echte Schlagzeile ist das nicht mehr wert. Zu diesem Zeitpunkt haben bereits Millionen von Spielern das virtuelle Schlachtfeld besucht. Schon lange vor seiner Version 1.0 ist Playerunknown’s Battlegrounds (kurz PUBG) zu einem der wichtigsten Spiele des Jahres 2017 geworden, das künftige Videospiele verändern wird.

Bei den Game Awards bekam PUBG den Preis als bester Multiplayer-Titel. Das Indie-Game setzte sich damit selbst gegen etablierte Marken wie Super Mario Kart und Call of Duty durch. Dass PUBG nicht den Hauptpreis einheimsen konnte, mag allein dem überholten Label Early Access geschuldet sein. Im Vorfeld diskutierten viele Kritiker, ob ein eigentlich unfertiges Spiel, überhaupt eine Auszeichnung bekommen kann.

Den Spielern war das herzlich egal. Bisher hat sich PUBG knapp 25 Millionen mal verkauft – und das ausschließlich auf dem PC. Eine Xbox-Version gibt es erst seit Dezember. Damit führt PUBG nicht nur die Verkaufscharts an, sondern hat schon jetzt einen Platz in der Liste der meistverkauften Spiele aller Zeiten sicher.

Dabei ist das Spielprinzip denkbar simpel: 100 Spieler landen in einem mehrere Quadratkilometer großen Gebiet und kämpfen dort gegeneinander ums Überleben. Wer stirbt, scheidet aus. Eine unsichtbare Wand schränkt Stück für Stück den Spielbereich ein, bis am Ende nur einer übrig ist – eine Idee, die aus Filmen wie Battle Royale oder Die Tribute von Panem stammt.

Gleich siebenmal steht PUBG im Guinnesbuch der Rekorde. Nur wenige Spiele verkauften sich öfter, schneller oder wurden mehr gespielt. Noch besser als durch Zahlen wird das aber im Spiel selbst deutlich: Eine der häufigsten Fehlermeldungen ist nach wie vor: „too many players“. Zuletzt passierte ähnliches bei Pokémon Go, dem Hype-Spiel des Sommers 2016.

Dieser Erfolg war nicht geplant. Hinter dem Überraschungshit steckt kein großer Publisher mit riesigem Marketingbudget, sondern eine einzige Person: Brendan Greene. Sein Spitzname PlayerUnknown findet sich sogar im Titel wieder. Ohne Erfahrung mit der Spieleentwicklung brachte er vor zwei Jahren Playerunknown’s Battle Royale als inoffizielles Update für die Militärsimulation ARMA heraus.

Der Erfolg von PUBG hat zahlreiche Parallelen zu einem anderen Indiespiel, das zum weltweiten Phänomen wurde: Minecraft. Auch dieser Titel wurde von einem einzelnen Entwickler angestoßen und im Early Access zum viralen Erfolg. Und Minecraft veränderte die Videospielwelt: Seine zentralen Mechaniken, das Sammeln von Ressourcen und das Crafting, gehören heute zum Standardrepertoire von Tripple-A-Games.

Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei PUBG absehbar. In den App-Stores gibt es längst dreiste Klone und selbst etablierte Studios möchten vom Hype profitieren. Der kostenlose Multiplayer-Shooter Fortnite bekam etwa im Herbst ein Update mit einem neuen Spielmodi, der verdächtig an PUBG erinnert. Der nicht unwesentliche Aufwand, den selbst große Studios gerade betreiben, das Spiel zu kopieren, zeigt wie ernst sie die Konkurrenz nehmen. PUBG selbst widersetzt sich hingegen allen Trends.

Viele große Multiplayer-Titel standen in diesem Jahr in der Kritik. Egal ob Star Wars: Battlefront 2, Call of Duty: WW2 oder Destiny 2, keine der großen Marken wurde ohne Skandal veröffentlicht. Der Grund dafür war, dass viele Publisher versuchen, die steigenden Produktionskosten ihrer Titel mit zwei neuen Finanzierungsmodellen auszugleichen: Lootboxen und auffällig viele Spielinhalte, die hinter einer zusätzlichen Paywall versteckt sind.

Playerunknown’s Battlegrounds wirkt hier wie ein Gegenentwurf zu den Geschäftsmodellen der Tripple-A-Studios. Beim Winter-Sale des Online-Stores Steam gehörte es zu den wenigen Titeln, die nicht beim Wettstreit um den größten Rabatt teilnahmen. Und auch nach Version 1.0 soll der Verkaufspreis stabil bleiben. Ungewöhnlich, da viele Videospiele schon wenige Monate nach ihrer Veröffentlichung den Preis drücken. Viel wichtiger aber: Bis auf eine kurzlebige Aktion während der Gamescom gibt es keine Inhalte, für die Spieler zusätzlich Geld ausgeben konnten. Weder die Lootboxen, noch die erspielbare Ingame-Währung können für Euros gekauft werden. Die Macher von PUBG konnten so ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Eine Strategie, von der große Publisher wie Electronic Arts lernen können.

Der anhaltende Erfolg von PUBG lässt sich als Signal des Publikums verstehen. Das Spiel ist bei weitem nicht das schönste, umfangreichste oder technisch ausgereifteste auf dem Markt. Aber letztendlich interessiert es offenbar niemanden, ob ein Spiel fertig ist, sondern nur, ob es Spaß macht. Und das hat PUBG vom ersten Tag an geschafft, egal ob es hässlicher als die Konkurrenz war und gelegentlich den Computer zum Absturz brachte.