Die WeChat-Firma Tencent könnte zum größten Videospielehersteller werden

Der chinesische Internetkonzern Tencent ist im westlichen Markt kaum bekannt. Mittlerweile ist das Unternehmen aber wertvoller als Facebook. Der Grund? Tencent ist nicht nur ein Social-Media-Gigant, sondern auch ein heimlicher Videospiele-Moloch.

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Der chinesische Internetkonzern Tencent ist im westlichen Markt kaum bekannt. Mittlerweile ist das Unternehmen aber wertvoller als Facebook. Der Grund? Tencent ist nicht nur ein Social-Media-Gigant, sondern auch ein heimlicher Videospiele-Moloch.

Es war eigentlich gleich eine doppelte Premiere. Am Montag hatte der Aktienwert von Tencent an der Börse von Hongkong die Marke von 500 Milliarden US-Dollar durchbrochen. Damit wurde es das erste asiatische Unternehmen, das diese Schwelle genommen hat. Bis zum Dienstagabend kletterte der Gesamtwert weiter auf insgesamt 523 Milliarden US-Dollar und toppte damit den Firmenwert von Facebook, der zu dieser Zeit bei 519 Milliarden US-Dollar lag. Damit ist Tencent nun eines der wertvollsten und wohl auch einflussreichsten Unternehmen der Welt. Wobei es sich noch weit hinter Apple und Google befindet, die mit immerhin 889 Milliarden und 721 Milliarden US-Dollar bewertet werden.

Aber wie konnte das passieren? Tatsächlich findet Tencent in westlichen Gefilden eher wenig Beachtung – obwohl das Unternehmen alleine im dritten Quartal 2017 ganze 9,8 Milliarden US-Dollar umgesetzt hat. Denn ein Gros des Geschäfts für den 1998 gegründeten Internetkonzern aus Shenzhen fand über lange Zeit ausnahmslos in China und somit in einem undurchsichtigen Gesellschaftsraum statt. Die Stellung, die sich der Konzern dort erarbeitet hat, ist nur schwer mit westlichen Maßstäben zu erfassen. Wer Tencent mit Google, Amazon oder Facebook vergleicht, der greift viel zu kurz. Das chinesische Unternehmen ist weitaus umtriebiger und vielfältiger.

Mit QQ.com betreibt Tencent bereits seit über zehn Jahren das erfolgreichste Webportal in China. Die Angebote sind ähnlich wie die von Yahoo.com und bestehen aus Nachrichten und verschiedenen Web-Dienstleistungen. QQ Games ist wiederum ein erfolgreiches Portal für Online-Games, dessen Nutzerschaft seit Jahren kontinuierlich wächst. Bei SoSo beziehungsweise Sogou Search handelt es sich um eine Suchmaschine nach Google-Manier. Qzone lässt sich wiederum grob als Mix aus Tumblr und dem frühen MySpace begreifen. Zudem unterhält Tencent die Twitter-Kopie Weibo, die Privatverkäufe-Plattform PaiPai, die PayPal-Alternative Tenpay und den E-Book-Vertrieb China Literature.

Am bekanntesten ist Tencent allerdings für WeChat, das gerne als Messenger abgetan wird. Jedoch ist die App, die von angeblich 960 Millionen Menschen genutzt wird, weitaus mehr. In China umfasst sie ein gesamtes Online-Shop-Netz, sie wird für Überweisungen, Reservierungen in Restaurants, zum Rufen eines Taxis oder Vereinbaren von Arztterminen genutzt. Diese Funktionsvielfalt dehnt Tencent langsam auch auf andere Länder aus. Seit kurzem ist die Bezahlfunktion WeChat Pay auch in Deutschland und Großbritannien nutzbar. Aber der Einfluss von WeChat wächst vor allem in anderen asiatischen Ländern wie Malaysia.

Auf rasante Weise entwickelt sich Tencent im Videospiele-Sektor. Die Speerspitze bildet dabei das MOBA-Game Arena of Valor – zuvor King of Glory –, das für iOS- und Android-Geräte erhältlich ist. Das wird pro Monat alleine von 200 Millionen Chinesen gespielt. Durch ein ausgefeiltes System von Mikrotransaktionen ist es mittlerweile das umsatzstärkste Mobile-Game überhaupt – und wird vielfach für sein Suchtpotential kritisiert. Arena of Valor hat im dritten Quartal 2017 ganze 1,84 Milliarden US-Dollar eingespielt. Erst im Oktober ist das Game auch in Singapur, den Philippinen und Malaysia gestartet – und soll dort zahlreich weitere Spieler finden.