Argentinien: Verschollenes U-Boot könnte unter Wasser zerbrochen sein

Ein Geräusch, das bei der Suche nach der “ARA San Juan” aufgezeichnet wurde, gibt der Marine weiter Rätsel auf. Das U-Boot könnte zu tief gesunken und gebrochen sein.

Das ungewöhnliche akustische Signal, das während der Suche nach dem seit einigen Tagen vor der argentinischen Küste vermissten U-Boot aufgezeichnet wurde, ist nach Meinung von Experten nicht zwingend das Geräusch einer Explosion. Eine andere Erklärung für das “anormale, kurze, gewaltige” Geräusch, wie es Marinesprecher Enrique Balbi schilderte, wäre: Das U-Boot ist zu tief getaucht und unter Wasser gebrochen.

Die ARA San Juan befand sich auf dem Weg von Ushuaia in Feuerland, am südlichen Zipfel des südamerikanischen Kontinents, nach Mar del Plata. In diesem Gebiet variiert die Meerestiefe zwischen 200 und 3.000 Metern, weil dort die Kante des unterseeischen Kontinentalsockels verläuft. Wenn ein U-Boot zu tief tauche, bestehe die Möglichkeit eines Bruchs, erklärte der pensionierte Navy-Kapitän James H. Patton Jr.: “Das würde auf Aufzeichnungsgeräten wie eine sehr, sehr große Explosion klingen.”

Am vergangenen Mittwoch, vor neun Tagen, hatte das Boot einen Batterieschaden gemeldet und angekündigt, in den Stützpunkt zurückzukehren. Dann war der Kontakt abgebrochen. An Bord der ARA San Juan befinden sich 44 Menschen. Der Sauerstoffvorrat an Bord reicht, wenn das U-Boot
intakt und unter Wasser ist, nach Angaben
der Marine etwa sieben bis zehn Tage.

Angehörige der vermissten Besatzungsmitglieder kritisierten an den argentinischen Behörden, dass sie nicht schnell genug auf den Vorfall reagiert hätten. Ein Mann etwa, dessen Bruder Crewmitglied auf der ARA San Juan ist, warf der Marine vor, die Situation verharmlost zu haben. Eine Frau, deren Ehemann vermisst wird, sagte: “Sie haben ein Stück Müll auf See geschickt”, das U-Boot verfüge nicht über eine ausreichende Ausstattung. Die Vernachlässigung durch die Marine sei Grund für das Unglück. Der Sprecher der Marine widersprach dieser Darstellung: Es werde kein Boot oder Flugzeug losgeschickt, wenn dessen Betrieb nicht absolut sicher sei. Bei einer Nachrüstung, für die 12 Millionen Dollar aufgewendet worden war, war die in den achtziger Jahren in Deutschland gebaute ARA San Juan 2014 in zwei Hälften zerlegt worden. 

Flugzeuge aus mehreren Staaten unterstützen die argentinischen Behörden derzeit bei der Suche nach dem verschollenen U-Boot.